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Äthiopien

Frömmigkeit oder Glaube?

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A Jutta Retta
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Ob Deutschland oder Äthiopien- jede Kultur hat ihre eigene Art, wie sie ihren Glauben auslebt. Die Frage ist nur, ob der Glaube ein biblisch rettender zum ewigen Leben ist oder er rein traditionell von der Gesellschaft praktiziert wird?

Als ich vor 17 Jahren zum ersten Mal nach Äthiopien reiste, war ich sehr beeindruckt. Ein wunderschönes Land, herrliche Landschaft, interessante Menschen und Kulturen, und in der Luft stets der Duft von geröstetem Kaffee und Gewürzen… Aber noch etwas fiel mir auf, das war neu: die Frömmigkeit, die hier gelebt wird. Schon am ersten Morgen wurde ich geweckt, lange bevor es hell wurde; der Muezzin beginnt den Tag um vier Uhr früh mit seinem Gebetsruf. Gerade wollte ich wieder einschlafen, da schallte das Gebet des orthodoxen Priesters durch unser Stadtviertel. Ich war doch ziemlich genervt, dann fing ich aber an nachzudenken. Während ich es mir gemütlich machte, als Gläubige, beteten die anderen Religionen und waren sich nicht zu schade, lange vor Morgengrauen dafür aufzustehen…

 

Religion und Frömmigkeit durchziehen den Alltag in Äthiopien. „Wie geht es dir?“ Einzig korrekte Antwort: „Gut, Gott sei Dank!“ Man bekommt etwas und bedankt sich: „Gott möge es dir vergelten!“ Selbst die Kommunisten konnten in den 17 Jahren Militärdiktatur diese frommen Sätze nicht ausmerzen. Einmal fuhr ich durch Addis Abeba und sah mir die Menschen auf der Straße an, die meisten ja sehr arm. Dann kam ein sichtlich wohlhabender, moderner, junger Geschäftsmann in meine Sicht, der wohl zur Arbeit ging. Als er an der orthodoxen Kirche vorbeiging, hielt er plötzlich inne, begann sich zu verneigen und betete! Niemand beachtete ihn, es ist eben normal.

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Jahre später hatte ich die Gelegenheit, in den christlich-orthodoxen Norden Äthiopiens zu reisen. Ich besichtigte damals auch die berühmten Felsenkirchen von Lalibela, die in die Berge hineingemeißelt sind. Da dies Weltkulturerbe ist, hatte ich mir eher etwas vorgestellt wie ein Museum, doch weit gefehlt. Obwohl etliche Touristen durch die Kirchen gingen, um deren Pracht zu bestaunen, lief zeitgleich das fromme Leben weiter. Überall standen Priester und Mönche; einer davon bemerkte voller Freude, dass ich äthiopische Schrift lesen kann, sogar das Ge’ez (alt-äthiopische Sprache), und ließ mich

 

aus einem der religiösen Bücher lesen – eigentlich nur geweihten Priestern vorbehalten. Ich war sehr überrascht, der orthodoxen Religion so nah zu kommen. In einer Nische betete eine Gruppe orthodoxer Priester, aus einer anderen Ecke ertönte Gesang, und überall Pilger, die sich vor den Altären und Heiligenbildern verneigten und beteten. Einen alten Mann sprachen wir an, er erzählte, dass er in Lalibela wohne und täglich in die Kirche zum Beten komme. Was habe er sonst vom Leben, wenn nicht das Gebet?

 

Überall begegnet sie mir, die Frömmigkeit der orthodoxen Christen in Äthiopien. Wenn man diese frommen Menschen näher kennenlernt, kommt man fast ins Zweifeln: Sind sie wirklich gläubige Christen, so, wie wir das verstehen? Einige muss man schon sehr gut kennenlernen, um dies zu beurteilen. Meist zeigt sich die Wahrheit, wenn man sich als evangelikaler Christ zu erkennen gibt, dann wird man feindlich angesehen. Die Trennlinie ist da, wo die christlich-orthodoxe Tradition anfängt, die den Heiligenkult und eine intensive Marienverehrung beinhaltet. Besonders die Ablehnung des Marienkults wird uns Gläubigen sehr übel genommen. Fanatische, orthodoxe Christen behandeln uns daher oft wie echte Feinde, besonders seit die evangelikalen Gemeinden in Äthiopien so stark wachsen und viele orthodoxe Christen zu Jesus kommen – auch in unserer Mission, obwohl wir eher in islamischen Gebieten arbeiten.

Religion oder Glaube? Nur einer kann retten, das ist Jesus Christus. Daher liegt es mir am Herzen, dies den Menschen in Äthiopien weiterzugeben. Ihre Frömmigkeit hat mich sehr beeindruckt – die äthiopischen, orthodoxen Christen haben eine tiefe Sehnsucht nach Gott, das ist zu spüren. Das ist es, was sie so anders macht, und vielleicht trägt dies dazu bei, dass in Äthiopien Erweckung ist, wo andere Teile der Welt geistlich immer mehr erkalten.

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