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Armenhilfe

Wenn das Leben entgleitet…

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A Sarah Goletiani
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Probleme über Probleme, Sorgen über Sorgen, und dann fehlt auch noch der letzte Strohhalm zum Halt. Was tun wir in Zeiten, in denen uns das Leben zu entgleiten scheint?

Nicht selten renne ich von einem Ereignis zum anderen, hetze so durch meinen Alltag und lasse mich von Sorgen überrollen. Sorgen, die mir riesengroß erscheinen, doch sind sie das wirklich?

 

Wenn ich mich dann an meinen Schreibtisch setze und die Berichte unserer Patenkinder oder aus der Armenhilfe lese, muss ich mich doch schämen. Es gibt Menschen, die gar nicht erst in die Lage kommen, sich Sorgen um Reparaturen des Autos, Wäscheberge im Hinterzimmer oder einen verbrannten Kuchen machen müssen; Menschen, die am Existenzminimum leben, deren Leben so langsam zu entgleiten scheint.

 

Ich möchte euch die Geschichte von Mesfen erzählen. Mesfen lebt in Dire Dawa, einer größeren Stadt im Osten Äthiopiens. Wir lernten ihn kennen, als er 50 Jahre alt war. Lange Zeit lebte er mit seiner Schwester in einer Wohnung und versucht durch Schuheputzen ein wenig Geld zu verdienen. In Äthiopien ist das Schuheputzen eine erniedrigende Arbeit, deshalb übernehmen sie in der Regel nur kleine Jungen, deren Eltern kein Schulgeld für sie zahlen können. Allein auf den Knien von einem Menschen zu hocken, ist für einen Mann im Alter von Mesfen eigentlich undenkbar. Doch Mesfen hatte keine andere Wahl, denn er war auf beiden Augen beinahe blind und konnte so keine anderen Arbeiten verrichten.             

         

Wenn Mesfen aufgrund seiner schlechten Augen einen Fleck auf einem Schuh übersah, wurde er nicht selten beschimpft. Viele seiner Kunden nutzten seine Blindheit auch aus, und am Ende des Tages merkte Mesfen, dass nur wenige ihm die richtige Münze in seinen Beutel geworfen hatten.

 

An einem Tag wurde die Geldsorge so groß, dass Mesfen seine Schwester verließ und auf die Straße zog. Nach und nach merkte Mesfen, wie ihn sein Verstand verließ und er sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hatte. Der einzige, der Mesfen in dieser Zeit zur Seite stand, war der Gemeindeälteste vor Ort. Mesfen ging manchmal in den Gottesdienst und lernte dort Jesus Christus kennen. Ihn faszinierte der Gedanke, dass es einen Gott gibt, der ihn nicht aufgrund seiner Behinderung, seines hohen Alters oder seiner psychischen Verfassung wegstieß, und er bekehrte sich zum lebendigen Glauben an Jesus Christus.

 

Heute ist Mesfen 67 Jahre alt. Er lebt mal hier mal da, doch die Gemeindemitglieder kümmern sich um ihn, versorgen ihn mit Nahrung und nehmen ihn jeden Sonntag mit zum Gottesdienst. Mesfen merkt mehr und mehr, wie er die Kontrolle über seinen Verstand verliert, auch seine Augen werden immer schlechter und körperlich wird er von Jahr zu Jahr schwächer. Men könnte meinen, dass Mesfen in diesem Zustand aufgeben möchte, doch er hält fest an seinem Glauben und ist dankbar, dass er nun auch durch unser Projekt unterstützt wird.

 

Mesfen hat noch keinen Paten. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich vielleicht angesprochen fühlen, einem Mann wie Mesfen mit 20 Euro im Monat zu unterstützen. Jemandem, dessen Leben scheinbar entgleitet, der aber trotzdem ein festes Fundament in Christus hat.

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