Äthiopien – vier Regierungen und das Evangelium Teil 1

Die jetzige Zeit ist geprägt durch globale Verwirrung. Das zeigt sich auch in meinem Heimatland Äthiopien – die eine Krise ist noch nicht überwunden, da stürzt schon das nächste Problem auf die Menschen ein. Ich möchte hier einmal einen Überblick über die Entwicklung der Christen in Äthiopien über die letzten Jahrzehnte geben, wohl wissend, dass dies in dieser Kürze nur einen knappen Einblick bietet.

Ich bin in Äthiopien geboren und aufgewachsen, und in meine knapp 70 Lebensjahren habe ich vier unterschiedliche Regierungen erlebt. Geboren wurde ich zur Zeit des Kaiserreichs, also in einer Monarchie: Als ich Student wurde, folgte das marxistisch-leninistische kommunistische Regime; zu dieser Zeit musste ich mein Land verlassen und kam 1977 als Flüchtling nach Deutschland. Mit dem Fall des Kommunismus endete dessen Herrschaft auch in Äthiopien, es folgte eine scheinbar demokratische Regierung, die jedoch im Laufe der Jahre diktatorische Züge annahm. Zuletzt haben wir heute eine Demokratie, deren Staatsführer seine Regierung sogar auf biblische Grundsätze basiert.

In all diesen Jahren und unterschiedliche Regierungen hat das Land vieles durch gemacht. Die standhafte Haltung der Äthiopier lässt sich auf eine tiefe Religiosität zurückführen. Die Aufteilung der Religionen im Land: Zu den beiden großen Religionen gehören die koptisch-orthodoxe Christen (43 %) sowie die sunnitische Muslime (34 %), dann gibt es noch 20% Evangelikale im Land; daneben gibt es Katholiken und Anhänger von Naturreligionen (Animisten) sowie Juden.

Als ich meinen Missionsdienst 1994 in Äthiopien anfing, gab es ca. 50% Koptisch-Orthodoxe und 35% Moslems, dazu 10% Evangelikale, zuletzt noch einen kleinen Teil von Anhängern der Naturreligionen sowie Juden. In den letzten 27 Jahren hat sich also viel getan. Die evangelikalen Kirchen konnten doch vor allem von den beiden Groß-Religionen bis zu 10% Seelen abgewinnen. Ein Grund dafür war die Standhaftigkeit der gläubigen Christen in den schweren Verfolgungszeiten unter dem atheistischen kommunistischen Regime. Die Koptisch-Orthodoxen machten Kompromisse, und viele ihrer Mitglieder fühlten sich im Stich gelassen. Junge Priester besuchten das neu eröffnete moderne Theologische College. Hier bekamen sie die Möglichkeit, in der Heilige Schrift zu forschen und die Wahrheit zu finden. Nach Abschluss ihres Studiums gründeten sie eine Untergrundbewegung mit dem Namen Tahadisu (Reform oder Erneuerung). Diese Reformationsbewegung innerhalb der orthodoxen Kirche entwickelte sich rasant, trotz anfänglicher Verfolgung. Vor drei Jahren gaben sie ihre Glaubensgrundsätze bekannt und trennten sich vor ihrer Mutterkirche. Öffentlich gaben sie Zeugnis, dass sie zur ursprünglichen Kirche mit der Bibel als Fundament zurückgekehrt sind – es erinnert an die Reformation Martin Luthers (sola scriptura – allein die Schrift).

Im Islam war die Entwicklung anders. In der Kaiser Zeit waren sie eher als liberale Moslems zu bezeichnen. Die berühmte Aussage des Kaiser war: „Ein Land ist für alle, aber Religionen ist für jeden einzelnen.“ So lebten während der Kaiserzeit die Anhänger aller Religionen relativ friedlich miteinander. Auch für die evangelikalen Kirchen war dieser Grundsatz des Kaisers eine Chance und öffnete die Tür für viele Missionswerke aus dem Ausland. In diesen Jahren (1946) kamen auch die Mennoniten aus Amerika als Missionare nach Äthiopien, ausgesandt von der Eastern Mennonite Mission. Sie bauten Schulen, Krankenhäuser und Bibelschulen. Als der Kaiser jedoch gestürzt wurde und die Kommunisten an die Macht kamen, waren alle ausländischen Missionare gezwungen, das Land zu verlassen. Die einheimischen evangelikale Gemeinden wurden geschlossen. Viele Gläubige kamen damals ins Gefängnis, und die Gemeinden mussten die 17 Jahre Kommunismus im Untergrund überleben. Sie haben ihre Knie für Mammon nicht gebeugt. Dieser standhafte Glaube hat bei anderen Religionen, deren Führen mit der Regierung Kompromisse eingingen, einen guten Eindruck hinterlassen und ebnete den Weg für die folgende Missionsarbeit.

Fortsetzung folgt. Die letzte Zwei Regierungen und das Evangelium.

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Evangeliums-Mission Äthiopien e.V.