Hargeysa Bericht 2006

Zu den wohl ergreifendsten Momenten meiner 25 Jahre gehört dieses Erlebnis, das Tauffest in unserer Gemeindegründung in Somalia.

Begonnen hatten wir die Arbeit in Somalia in dem Wissen, dass es erstens sehr gefährlich werden würde, und zweitens war nicht viel Frucht zu erhoffen. Missionsarbeit in Somalia war schon immer ein schweres Unterfangen, ich habe selbst mit dem verantwortlichen Mitarbeiter eines Missionswerks gesprochen, welches vor einigen Jahren seine Arbeit in Somalia beendete, mangels Erfolg. Sie hatten zwar einige Bekehrungen im Laufe von Jahrzehnten verzeichnen können, doch waren fast alle bekehrten Somalis umgebracht worden, als sie ihren Schritt bekannt machten. Die Ursache dafür liegt nicht nur in der Religion der Somalis begründet, dem Islam, das wäre an sich auch schon schwierig genug. Nein, bei den Somalis zählt vor dem Islam noch die Clanzugehörigkeit, über Generationen verknüpfte Großfamilienverbände. Eine Bekehrung zu Christus bedeutet Verrat nicht nur am Islam, sondern viel mehr am Clan und damit an der Familie, und dies wird hart bestraft.

Um nicht nur unsere Evangelisten, sondern vor allem die bekehrten Somalis und die wachsende Gemeinde in Somalia zu schützen, müssen wir ab jetzt auf die Nennung von Namen verzichten; wir haben statt dessen Decknamen verwendet. In Absprache mit der MKC werden wir auch keine präzisen Mitgliederzahlen nennen. Bitte haben Sie Verständnis für diesen Schritt, wir fühlen uns verantwortlich für die Sicherheit und das Leben unserer somalischen Geschwister.

Als wir nun vor über einem Jahr mit dem Aufbau einer Gemeindegründung in der Stadt XX begannen (besser gesagt, wir übernahmen die Arbeit des Missionswerks, das hier früher tätig war), waren wir natürlich sehr gespannt auf die Entwicklung. Wegen der Gefahr am Ort haben wir eine Schwester „Maria“ hier als Evangelistin eingesetzt. Einen somalischen Christen „Abraham“, der hier früher als Evangelist gearbeitet hat, schicken wir zur Zeit in die Bibelschule, später wird er dann wieder in Somalia dem Herrn dienen. Die Berichte, die wir aus unserer Gemeindegründung bekamen, waren sehr positiv. „Maria“ schrieb, dass ein echtes Interesse am Evangelium da ist.

Dennoch hätte ich mir nicht träumen lassen, was ich nun in diesem Frühjahr in XX erlebt habe. Ich war eingeladen, um eine Taufe durchzuführen. An meiner Seite waren auch unser Bruder Salomon, der einigen in Deutschland bekannt ist, sowie Bruder Tefera als Leiter der Missionsabteilung der MKC (siehe Foto S.1). Die Zahl der Täuflinge hatte mir niemand vorher gesagt, ich rechnete mit vielleicht vier Bekehrten. Aber es waren 21 bekehrte Somalis, die sich zur Taufe gemeldet hatten und sich über den Ernst ihres Schrittes völlig im Klaren waren. Um unauffällig zu bleiben, fuhren wir getrennt los und trafen uns an einem Strand an der Küste. Eine offene Taufe ist in Somalia undenkbar, aber wir tarnten unseren Ausflug als Schwimmkurs. Selbst ein Soldat, der den Strand bewachte und uns die ganze Zeit mit dem Gewehr in der Hand beobachtete, ahnte nicht, dass die frohe Gesellschaft, die wir für ihn darstellten, eine Taufe abhielt. Der Herr hat sehr viel Bewahrung geschenkt. Während die anderen um uns die Blicke ablenkten, tauften wir einen nach dem anderen, zum Schluss die Frauen. Wie soll ich meine Gefühle in diesem Moment beschreiben? Es war ebenso erhebend wie aufregend, aber vor allem war ich unserem Herrn Jesus Christus dankbar für jede dieser gewonnenen Seelen.

Wie geht es nun weiter mit diesen jungen Christen? Fortsetzung folgt

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