„…Kusch wird seine Hände ausstrecken zu Gott.“ Psalm 68,32b

Liebe Geschwister, dieser Bericht soll euch über die momentane Regierung und die politische Situation in Äthiopien, unseres Missionslandes, informieren. Es ist auch angebracht, euch kurz über die drei Regierungen, die vor der jetzigen waren, zu erzählen.

Ich erlebe eine vierte Regierungsreform in meinem kurzen Leben. Ich bin in der Zeit des Kaisers Haile Selase geboren, der Äthiopien zum Westen hin orientierte. Bildung stand in seinem Regierungsprogramm ganz oben. Dementsprechend hat er eine auserwählte Elite nach Europa für weitere Bildungszwecke geschickt. Die erste Gruppe, die ihr Studium abgeschlossen hatte, kam zurück und besetzte den politischen und wirtschaftlichen Posten in der Hauptstadt Addis Abeba. Alles lief nach dem kaiserlichen Plan. Die nächste Gruppe junger Leute, die in Europa studierte, war an der Zahl fast das Vierfache. Diese wurden nicht alle von dem Kaiser persönlich ausgesucht, wie es bei der ersten Gruppe der Fall war. Da waren junge Leute, die selbst nach ihren Schul- und Universitätsleistungen, Stipendien im Ausland fanden. In diesen Jahren war in Europa, der weltweite, politische Umbruch. Die sogenannten 68er Jahre sind vielen von uns bekannt. Die Lehre von Mao, Marx und Lenin, hat die Jungend der damaligen Zeit in ihrem Denken und Handeln sehr stark beeinflusst. Das kommunistische Gedankengut hat auch die äthiopischen Studenten nicht unberührt gelassen. Sie gründeten die Studentenbewegungen in Europa und in Nordamerika und steuerten mit ihrem marxistischen und leninistischen Gedankengut nach Äthiopien. Sie unterwanderten und instrumentalisierten die Jugend, sorgten für einen Sturz des Kaisers und ebneten den Weg zu einem marxistischen Militärregime. Der Kaiser dankte nach vierzig Jahren monarchischer Herrschaft ab und starb kurz danach. Als die kommunistische Militärregierung provisorisch antrat wurde das Land mit großer Brutalität von der damaligen Sowjetunion gesteuert. In ihren 17 Jahren Regierungszeit starben über 2 Millionen unschuldige, meist junge Menschen. Viele Studenten, so wie ich damals, flüchteten in der Anfangsphase und überlebten dieses mörderische Regime. Als der eiserne Vorhang fiel, verloren sie ihren Machtapparat und der damalige General flüchtete und überließ das Land den Rebellen aus dem Stamm der Tigre und Eritrea. Kurz nach ihrer Machtübernahme proklamierte Eritrea seine politische Unabhängigkeit und trennte sich von Äthiopien. Es hat aber nicht lange gedauert, da führten Eritrea und die Tigres, die Äthiopien regierten, einen erbitterten Krieg um ein Stück Land, das zwischen den Grenzen lag und für viele Äthiopier ein Schlachtfeld wurde. „Wenn zwei Elefanten kämpfen, leidet das Gras.“ So sagt man in Äthiopien. Es war ein schreckliches Gemetzel für das äthiopische Volk. Die Eritrea haben ein 1 km langes Grenzgebiet mit unzähligen Minen übersät. Die Bewohner dieses Gebietes gerieten zwischen die Fronten. Die eritreischen Soldaten von vorne und die Tigre-Soldaten trieben sie von hinten ins Kriegsfeld. Nachdem der Krieg vorbei war, fing der regierende Stamm an, die anderen Stämme zu unterdrücken und Feindschaft zwischen den ethnischen Gruppen zu schüren. Mit Korruption und unverschämter Habgier stürzten sie das Land in ein unermessliches, politisches und wirtschaftliches Chaos. Die Gefängnisse waren voll. Die Lebenskosten stiegen bis in das vierfache. Nach mehr als 23 Jahren an der Macht starb der alleinherrschende Diktator und der Kopf dieser regierenden Elite. Dieser Machtapparat konnte nicht mehr regieren. Nach 27 Jahren Selbstbereicherung und gedankenloser Brutalität war Äthiopien in allen Bereichen des Lebens vernichtet. Nach dem Tod ihres Führers stritten sie dermaßen untereinander, dass innerhalb dieser Partei Männer die Gelegenheit ergriffen und neue Regierungen innerhalb der Partei gründeten. Da wurde Dr. Abey als Präsident gewählt, der eine große Gebetserhörung für das Land war. Er entließ die Regierungsmitglieder, die jahrelang das Land für ihr eigenes Wohl missbraucht und zu Grunde gerichtet hatten.

Hier kommt der Bibelvers, den ich oben erwähnt habe, zur Geltung. „… Kusch (d.h. Äthiopien) wird seine Hände ausstrecken zu Gott.“ (Psalm 68,32b) In all diesen Jahren, die das Volk gedemütigt und brutal unterdrückt wurde, hat es nicht aufgehört, seinen Gott anzubeten. Jeder, wie er Gott verstanden hat, hielt die Hände zu Gott ausgestreckt und betete. Heute erleben sie einen gottgegebenen, wiedergeborenen Christen an der Macht. Seine politischen Reden sind wie eine Predigt. Er trifft große Entscheidungen im Fasten und Gebet. Seine Frau singt christliche Lieder in der Gemeinde und auf christlichen Veranstaltungen. Durch seinen verdienten Nobelpreis bekommt er eine weltweite Anerkennung. Er brachte es fertig, mit einer biblischen Vergebung, zwischen Äthiopien und Eritrea Frieden zu schließen. Der eritreische Regierungschef kam nach Äthiopien, 25 Jahre nachdem Dr. Abey ihn in Eritrea besucht und um Vergebung gebeten hatte. Innerhalb Äthiopiens schaffte er systematisch, die von der vorgängigen Regierung verursachten ethnischen Auseinandersetzungen zu besänftigen. Nach zwei Jahren Regierungszeit wurden drei Attentate auf ihn ausgeübt. Alle drei überlebte er. Die Entmachtung der damaligen Regierung zu veranlassen und die Macht zu übernehmen war ein Wunder. Nur allein durch Vertrauen in Gott und das Gebet verhinderte er ein weiteres Blutvergießen im Volk. In einer Parlamentssitzung stellte er die Mitglieder dieser Regierung so bloß, dass sie keine Zeit hatten eine Antwort zu geben. Sein Gott wusste, wann die richtige Zeit und der richtige Ort dafür war. Den mächtigsten Generalen bat er, freiwillig zurückzutreten. Was dieser dann auch tat. Da sind andere mächtige Männer, die entmachtet wurden und die Hauptstadt Addis Abeba verließen, um aufs Land zu fliehen und dort unterzutauchen. Sie saßen auf einer sicheren, unerschütterlichen Sache, so dachten sie. Aber Gott allein überraschte sie zu seiner Zeit. Verzweifelt und ratlos, wie sie ihre Macht verloren hatten, stifteten sie Unruhen in den Provinzen. Sie solidarisierten sich mit Rebellen von außen und versuchten das Land ins Chaos zu stürzen, um Dr. Abay zu entmachten. Die drei Attentate wurden auch von diesen Gruppen finanziert. Er hat vieles überstanden. Die Christen haben mit tagelangem Fasten und Gebet ohne Unterlass für ihn ausgeharrt. Ja, Äthiopier haben ihre Hände zu Gott ausgestreckt, der Allmächtige hat dies gesehen und die Gebete erhört. Wie Mose seine Hände, bis die Sonne unterging ausgestreckt hat und Josua Amalek besiegte (2.Mose 17,8-14).

Momentan herrscht ein lang erkämpfter Frieden im Land. Dr. Abey und seine Helfer nahmen sich Zeit, manche ethnischen Gruppen zur Besinnung zurückzubringen. Er versuchte Stammesälteste zu besänftigen und einen vernünftigen Dialog zu führen. Diese werden von anderen Machtapparaten beeinflusst, mit denen man keinen Dialog führen konnte. Am Ende brachten ihn die Parlamentarier dazu seine Militärmacht einzusetzen und für Ruhe im Land zu sorgen. Das Militär war ihm treu, weil er ihnen mit einer leitenden, aber auch dienenden Art seine volle Aufmerksamkeit schenkte. Er hat es veranlasst systematisch überall Zerstörer und gekaufte Terroristen zu bekämpfen und zu verhaften. Meist wurden sie nur gekauft und mit Hass-Propaganda beeinflusst, um Unruhen zu stiften. Im Grunde waren sie nicht gut organisierte Rebellen. Sie hatten keine Einheit, die von einer führenden Macht gesteuert werden konnte. Mit dem Einsatz des Militärs überrumpelte Dr. Abey alle Gegner. Der Überraschungseffekt hatte ihm auch damals bei der Regierungsübernahme geholfen. Die Rebellen fühlten sich sicher, weil sie glaubten, er wolle nur Dialoge mit den Stammesältesten führen. Dann griff er an und überraschte alle. Sie wogen sich so sicher, dass sie sogar planten die Regierung zu übernehmen und viele Menschen aus der Bevölkerung zu enteignen und aus ihrer Heimat zu vertreiben. Heute sitzen große und kleine Rebellen im Gefängnis. Das Land erholte sich mit Gottes Hilfe sehr gut. Covid-19 hat auch dazu beigetragen den Rest der Bevölkerung, auch die Sympathisanten der Rebellen, zurück zu lassen. Das ist ein schwerer Anfang, aber Gott wird die Mittel und Wege schenken, damit das Land zu Ruhe findet. Er bringt zum Ende, was er angefangen hat. Das ist meine feste Überzeugung.

Euer Missionar Shimeles Retta

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